Dekanatssyonde 2016

Wir schreiben das Jahr 1858. Im Weiler Buchhof, südlich von Fürnried in der Gemeinde Birgland erblickte am 16. April als jüngstes von sieben Geschwistern Johann das Licht der Welt. Seine Eltern waren die Kleinbauern Kunigunde geb. Danhauser von Mittelreinbach und Konrad Flierl.

Zwei Tage später wurde er im barocken Pfarrhaus getauft und am Palmsonntag 1871 in der Kirche St. Willibald in Fürnried konfirmiert. Dort besuchte er auch die Dorfschule vom Mai 1864 bis zum Frühjahr 1871. Der Wunsch, Heidenmissionar zu werden, war in Flierl im Alter von acht oder neun Jahren erwacht. In der Dorfschule wurde das bunte Calwer Kindermissionsbaltt an die älteren Schüler verteilt. Flierl, schon als Kind ein leidenschaftlicher Leser und immer auf der Suche nach neuer Lektüre, erhielt auf sein Bitten hin ebenfalls einige Hefte.

Nach vierjähriger Wartezeit, die er mit einer Lehre in Nürnberg und zu Hause bei der Mitarbeit in der Landwirtschaft verbrachte, konnte er als 17jähriger ins Neuendettelsauer Missionsseminar eintreten. An Pfingsten 1878 gab es ein tränensreiches Abschiedsfest in Buchhof, denn man nahm an, es sei für immer. Dort steht auch der Gedenkstein mit der Aufschrift: “Hier bin ich. Sende mich.” (Jesaia 6,8). Johann Flierl zum Gedächtnis.

Nachdem er sieben Jahre lang als Missionar in Australien gewirkt hatte, wo er auch seine Frau Louisa geb. Aurich kennen lernte, ging 1886 sein Traum in Erfüllung. Der 12. Juli ist noch heute ein Gedenktag für "Papa Flierl" in Papua-Neuguinea. In Finschhafen betrat er als erster evangelischer Missionar den Boden des Landes. Die zu überwindenden Anfangsschwierigkeiten (mörderisches Klima, Unkenntnis der Sprache, Sitte und Religion der Papua, Wildheit der Menschen und des Landes) stellten an ihn fast übermenschliche Anforderungen. Er baute die Stationen Simbang, Sattelberg und Heldsbach.

Als er 1930 Abschied von seiner Insel nahm, konnte er zurückblicken auf ein weit verzweigtes Netz von 18 Hauptstationen, von denen jede einen Kreis von Schul- und Außenposten um sich hatte und auf denen sich 25 000 Christen befanden; außerdem empfingen über 2000 Kinder von papuanischen Lehrern einen regelmäßigen Unterricht, und über 100 000 Papua standen unter dem Einfluss des Evangeliums.

Flierl verfasste zahlreiche Missionsschriften, von denen einige auch in englischer Sprache erschienen sind. Er genoss großes Ansehen, nicht nur in deutschen, sondern auch in amerikanischen und australischen lutherischen Missionskreisen. In Iowa, USA erhielt er die Auszeichnung zum Dr. theol. h.c.

In Neuendettelsau ist er im Alter von 89 Jahren, 5 Monaten und 14 Tagen gestorben und beerdigt. Seine vier Kinder waren ebenfalls in der Mission tätig. In Papua Neuguinea gibt es heute rund 1 Million Lutheraner bei einer Bevölkerung von 5,9 Mio. Einwohnern. Und wenn dann die Reisegruppen in Buchhof am Gedenkstein mit Tränen in den Augen singen und beten, sehen wir, was wir in unserem Glauben verloren haben. Ich denke, diese Menschen müssten jetzt bei uns missionieren. Deswegen und damit Senior Johann Flierl in unserem Gedächtnis bleibt, wollen wir in seiner ehemaligen Schule ein Museum zu seinen Ehren errichten.

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